Bild: Hinweistafel mit Wanderrouten, Hotel Stern und Post, Amsteg



Zeitgemässes und wertvolles Kulturangebot

Am Sonntag 8. Dezember las Heidy Gasser aus ihrem Buch
«Die Verführerin», begleitet wurde sie vom Obwaldner Saxophonisten Roland von Flüe. Hanspeter Müller-Drossaart moderierte.

 

Am 5. Mai lancierte Christof Hirtler vom bildfluss-Verlag die Veranstaltungsreihe «Amstäg! Literatur und Musik» im Hotel Stern und Post in Amsteg. Nach drei Lesungen 2019, wird die Reihe 2020 mit vier Veranstaltungen fortgesetzt.

 

Der Kulturjournalist Felix Schenker drehte am Sonntag für arttv.ch mit der Kamerafrau Inge Zinsli einen Beitrag über die Veranstaltungsreihe «Amstäg! Literatur und Musik»: «Für mich war die Lesung von Heidy Gasser sehr anregend. Die Veranstaltungsreihe ist zeitgemäss – Ein altes Hotel, abseits der Zentren, wird mit Kultur bespielt. Das ist wichtig für diese Region. Menschen machen sich auf den Weg, kommen zusammen. Entschleunigung ist ein Thema, Aufbruchsstimmung ist zu spüren. Genau solche Themen suchen wir, um mit arttv.ch darüber zu berichten.»

Zu Besuch im Hotel Stern und Post war auch der Regierungsrat Beat Jörg: «Ich gratuliere Christof Hirtler für seine Eigeninitiative. Für mich ist ‹Amstäg! Literatur und Musik›  eine sehr wertvolle Ergänzung zum bestehenden Kulturangebot. Als Ort ist das Hotel Stern und Post gut gewählt, die Atmosphäre ist sehr familiär und persönlich. »Dank der Moderation von Hanspeter Müller-Drossaart, habe ich neben der spannenden Geschichte, viel Zusätzliches erfahren über die Autorin und die Entstehungsgeschichte des Buches. Auch die Musik ist ein wichtiges Element. Der meditative Klangteppich des Saxophonisten Roland von Flüe gab mir Zeit, um über den Text und die Aussagen der Autorin zu reflektieren.» Beat Jörg freut sich auf die Fortsetzung der Veranstaltungs­reihe 2020.

 

Nach der Winterpause öffnen Rolf Welti und Remo Vetter ihr Hotel wieder an Ostern,

11. April 2020. Mehr Infos zum Programm 2020 unter www.kultur-amsteg.ch.

 


Ein unvergesslicher Chilbiabend

Im stimmungsvollen Saal des Hotels Stern und Post, Amsteg überraschten Hanspeter Müller-Drossaart, Carlo Gamma und Fränggi Gehrig mit neuen Interpretationen der Urner Tanz-

und Spottlieder.

 

Was passiert, wenn die bekannten Urner Tanz- und Spottlieder nicht wie üblich gesungen, sondern die Texte und Melodien getrennt vorgetragen werden? Diese Frage stellte sich der Fotograf und Leiter des bildfluss-Verlags, Christof Hirtler. Er organisiert die Veranstaltungsreihe «Amstäg! Literatur
& Musik» im Hotel Stern und Post in Amsteg.

 

Urner Tanzlieder sind Literatur

«Hören Sie die bekannten Urner Volkslieder einmal ganz anders und geniessen Sie die wunderbar träfen Sprachbilder und witzig-angriffigen Liedzeilen, wie sie in der übrigen Schweiz kaum anzutreffen sind.» Diese Ankündigung war nicht zu hoch gegriffen – Hanspeter Müller-Drossaart und die beiden Musiker Fränggi Gehrig (Akkordeon) und Carlo Gamma (Sopransaxophon) bezauberten mit ihrem Chilbiprogramm. Die Basis bildeten die Lieder von Bärti Jütz, Ady Regli und Hansheiri Dahinden. Melodien und Liedtexte (eigentlich Geschichten), zeitlos und voller Vitalität, wie der wunderbare Refrain im Lied «Juhui und dä zoogä» von Ady Regli:

 

Juhui und de zoogä!

Äs teent i all Fliäh!

Schlahnd d Absätz i Boodä

Üs Chälber gits Chiäh!

 

A dr Chilbi gits käi Sind

Die Liedtexte verwob Hanspeter Müller-Droosaart mit witzig-hintergründigen Hinweisen zur „Chilbi-Hischtoriä“, zur Religion (Himmel, Hölle und Tanzverbot) oder zu den irdischen Köstlichkeiten wie Biämscht-Chüächä, Schwyynigs und Cheschtenä, Merluzzo, Silener Paläntä-Turtä, Paschtetä oder Chrapfä.

Nach dem Essen wurde an den Chilbenen tüchtig das Tanzbein geschwungen und man kam endlich zum Kern der Sache: Partnerwerbung, Sinnlichkeit und Festen bis zum Umfallen. In Ady Reglis Lied «Oh jesses näi Herr Pfarrer» liegt der Mann am nächsten Morgen «chatzchegelvoll» unter dem Tisch und auch die Frau «het äs Yysä ab». Sie richtet ihn auf, und zusammen gehen sie zum «Schwarznä» nach Hause.

 

Neue Sage, neues Lied

Der Abend war aber nicht nur der Tradition verpflichtet. Hanspeter Müller-Drossaart trug auch eine moderne, erotische Variante der Toggeli-Sage vor: «Ds Chilbi-Toggäli». Das Toggäli ist dabei nicht ein unheimlicher Nachtmahr, der auf den Schläfer hockt – das Chilbi-Toggäli kommt in der Gestalt einer liebestollen Frau.

Und wie manifestiert sich Festfreude im Internetzeitalter? Vielleicht, wie im Refrain des neuen Lieds von Hanspeter Müller-Drossaart: Compi abschalten, raus aus dem Büro, rein in die Festhütte!

 

I d Fäschthitte!

as Fäscht hitte!

i dr Fäschthitte!

isch Fäscht hitte!

hitt isch äs Fäscht!

 

Phantastische Melodien

Carlo Gamma und Fränggi Gehrig spielten variantenreich und voller Spielfreude. Die beliebten Melodien, losgelöst von den Liedtexten, waren eine Entdeckung. Sie kamen besonders zur Geltung, wenn die beiden Musiker sie als langsame Balladen spielten oder über ein Thema improvisierten. Manchmal liessen Gamma und Gehrig die Melodien nur kurz anklingen oder legten einen Klangteppich unter das gesprochene Wort. Grossartig, witzig und bodenständig – Hanspeter Müller-Drossaart. Mitunter schwang auch etwas Melancholie mit, wie im berührenden Text von Hansheiri Dahinden «Ä jeedä träit syys Burdäli».

 

Nach der Urner Nationalhymne, «Zogä-n am Bogä», begeistert mitgesungen von den über 120 Personen im Saal, verlangte das Publikum stürmisch eine Zugabe. Das 80-minütige Chilbiprogramm endete mit dem Lied «Dr Tyyfel het der Lätz erwitscht» von Ady Regli. «Die Urner bleiben letztlich in ihrem Paradies, im Urnerland, mit der augenzwinkernden Einsicht, dass nicht einmal der Teufel sie will», bemerkte Hanspeter Müller-Drossaart.

 


Hier ist Süden

Die Schriftstellerin Leonor Gnos eröffnete die Veranstaltungsreihe «Amstäg! Literatur und Musik». Begleitet wurde die in Marseille lebende Autorin von der Luzerner Akkordeonistin Claudia Muff.

 

Christof Hirtler vom bildfluss-Verlag durfte am Sonntag, 5. Mai, im Hotel Stern und Post über 120 Personen begrüssen. Leonor Gnos las aus ihren Gedicht- und Erzählbänden und unterhielt sich mit dem Moderator Hanspeter Müller-Drossaart über Dichtung, Herkunft, Heimat und Fremde.

«Aufgewachsen bin ich in Amsteg, in einer kleinen, überschaubaren, dörflichen Gemeinschaft. Unsere Familie wohnte in einem Chalet am Burghügel der ‹Zwing Uri›», erzählte Leonor Gnos. «Mein Vater, Magaziner beim Kraftwerk Amsteg und engagierter Politiker der Christlichsozialen, schrieb Artikel fürs ‹Vaterland› und fürs ‹Urner Wochenblatt›. Meine Mutter redigierte sie. Daheim wurde viel gelesen. Ich schrieb gerne Aufsätze, führte von klein auf Tagebuch. Ich liebe die Natur, die Wälder, mein Dorf an der Reuss, fast dem Bristenstock entsprungen.»

Im Text «Amsteg», erschienen 2018 im Orte Verlag, porträtierte sie ihr Dorf: «Im Osten schneidet die Gotthardlinie in die Anhöhen / zieht die Kerbe in den Windgällentunnel / führt sie über die gigantische Kerstelenbachbrücke hinaus / um nach einem Stich in die Waldhänge des Bristenstocks zu verschwinden / den ins Tessin fahrenden Bekannten und Unbekannten konnte ich winken.» Die vielen Züge, die täglich oberhalb ihres Elternhauses durchfuhren, weckten in der Dichterin die Sehnsucht nach der Ferne. Später lernte sie verschiedene europäische Sprachen und lebte in England, Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland.

1988 zog Leonor Gnos von der Innerschweiz nach Paris und unterrichtete Deutsch als Fremdsprache. Ihre Affinität für das Schreiben entdeckte Leonor Gnos erst in Frankreich. 2000 erschien im Verlag Gisler ihr erster Erzählband «Bristenbitter» – ein Bilderreigen von Kurzgeschichten, eine poetische Mischung aus Imagination und Realität, eingebettet in eine sorgfältig gewählte Sprache. Innert kürzerster Zeit schrieb sie eine Novelle und vier weitere Gedichtbände. Seit 2010 lebt Leonor Gnos in Marseille – Im Süden. «Hier ist Süden» heisst auch der 2012 erschienene Lyrikband, aus dem die Schriftstellerin einige Gedichte vortrug: «An einem Tag wie diesem / stellst du dir ein Blau / in sicherer Unendlichkeit vor/ und einen Holunderbaum im Blütenstand / du steckst die Nase in die Dolden / ziehst den betörenden Duft ein / zwinkerst den Blättern zu / und der Dryade / die Erinnerung heisst.» Anschliessend spielte Claudia Muff ein weiteres Zwischenspiel – eine Valse Musette. Leonor Gnos freute sich über den grossen Applaus des Pulikums: «Es war ein wundervoller Abend mit vielen angeregten Gesprächen an einem traumhaften Ort.»